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Leserbriefschlacht

Manchmal ist es ziemlich lustig zu beobachten, wenn sich eine Leserbriefschlacht in der Zeitung entwickelt. Zu einem Artikel über die Stilllegung des AKW Fessenheim gab es einen Leserbrief, bei dem ich mir verwundert die Augen gerieben habe: Es gibt anscheinend tatsächlich auch Menschen wie dieser Herr Berthold Backes die wie ich erkannt haben wie viel Strom so ein Atomkraftwerk erzeugt und dass die erneuerbaren Energien keine wirkliche Alternativen darstellen:

Leserbrief Berthold Backes
Leserbrief Berthold Backes, Trierischer Volksfreund vom 15.07.2020

Natürlich hat es nicht lange gedauert bis die entsprechende Reaktion kam, von Helmut Remmels:

Leserbrief Helmut Remmels
Leserbrief Helmut Remmels, Trierischer Volksfreund vom 22.07.2020

Das erste was einmal auffällt, ist der Ton in dem die Briefe geschrieben wurden. Herr Backes greift den Chefreporter an und stellt fest, dass sein "Anti-Atom-Sermon" kein "Qualitätsjournalismus" sei und dass die Windkraftanlagen in der Gegend "herumfuchteln" würden. Okay, nicht ganz distanziert. Herr Remmels hingegen legt erst so richtig auf. Er bezichtigt seinen Vorschreiber, dass sein Gehirn gekocht sei "nebem welchem Antennenmast ist er aufgewacht" und verspottet damit dessen Beruf als Nachrichtentechnik-Ingenieur. Nicht nur das, er legt auch noch kräftig unter der Gürtellinie nach und baut ihn als neuen Neandertaler "mit Lendenschurz bekleidet" in sein Weltuntergangsszenario ein.

Und das, liebe Leser, dürfte leider der Grund sein warum die Welt so wie wir sie kennen in absehbarer Zeit untergehen wird weil sich diejenigen durchsetzen die lauter schreien. Ich kann und werde jetzt die angeführten Zahlen nicht durchrechnen, aber wenn man mal so ein Atomkraftwerk in Windkrafträder und Solarpanels umrechnet dann kommt eine ganze Menge dabei heraus. Und dann muss man noch berücksichtigen, dass diese nicht so lange halten wie ein AKW und bei der "jede-Minute-ein-Solarpanel"-Rechnung kommen sicher mehr als 76 Jahre heraus wenn man nach 20 Jahren einzig und alleine damit beschäftigt ist, die defekten alten zu ersetzen. (Ich erwähne hier an dieser stelle die angeblich "ewig haltenden" LEDs!!)

Außerdem sollte man berücksichtigen, dass die Materialien für Solar und Wind: Kupfer, Silizium, Glas, Faserverbund-Kunststoffe - auch einen sehr großen ökologischen Fußabdruck haben und es ja nicht reichen würde, alle bisherigen Stromkraftwerke zu ersetzen sondern dazu noch etwa das fünffache an Energieverbrauch zum Heizen und zur Mobilität. Atomenergie kommt im wesentlichen mit Stahl und Beton aus, das ist viel leichter verfügbar. Die Aussage von Herrn Backes dürfte damit also im wesentlichen stimmen.

Die Anti-Atom-Fraktion schreit aber unverkennbar lauter und die Politik hört auf diese Fraktion und geht diesen von vornherein zum Scheitern verurteilten Weg. Auch wenn deren Argumente einfach unhaltbar sind, was ich ja in früheren Artikeln ausführlich untersucht habe: Das Endlager, das für eine Million Jahre strahlt (die Knochen von Herrn Remmels übrigens auch), die ständigen Reaktorexplosionen und so weiter. Ich brauche hingegen nur aus dem Fenster zu schauen und sehe allerorten mitten im Juli gelbe Blätter an den Bäumen weil wir jetzt schon den wievielten Dürresommer hintereinander haben.

Ich habe nichts gegen Wind, Solar und Biomasse und es ist sicherlich sinnvoll, diese auszubauen. Aber für die riesigen Energiemengen die wir brauchen um unser Wohlstandsniveau zu halten taugen diese einfach nicht, genauso wie es einfach nicht genug Lithium gibt um jedem Deutschen ein Elektroauto zu bauen. Der Wasserstoff, der es mal wieder in die Medien geschafft hat? Der kommt ja nicht aus dem Boden, sondern ist nur eine Speicherform für Energie die auf anderem Weg erzeugt worden ist. Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe in Verbindung mit Kernenergie ist ein realistisch kurzfristig gangbarer Weg, langfristig ein höheres globales Wohlstandsniveau bei geringerer Weltbevölkerung und damit ein insgesamt gleichbleibender oder sinkender Welt-Energieverbrauch, aber eben nicht machbar solange die andere Fraktion derartig lauter schreit und auch noch Gehör findet.

Und noch eine Randnotiz die ich hier einfach dazu packe: Machen wir uns nichts vor, unser Wohlstand kommt durch die Ausbeutung der Hälfte der Weltbevölkerung der es deutlich schlechter geht, das kann man an den globalen Warenströmen nachvollziehen. Genauso wie im Mittelalter wo diejenigen die als Feudalherren auf die Arbeitskraft ihrer Bauern zurückgreifen konnten einen beträchtlichen Wohlstand hatten. Was jetzt die Zukunftsforscher vorhersagen und was auch in SciFi-Literatur schon Thema war: Die massiven Fortschritte im Bereich künstliche Intelligenz machen in Verbindung mit besagter Energiequelle langfristig die menschliche Arbeitskraft weitgehend überflüssig. Das bedeutet nichts anderes, dass wir die Heerscharen der billigen Arbeiter Asiens irgendwann nicht mehr brauchen um unser Wohlstandsniveau zu halten und die Menschen in Asien auch ohne jemand anderen weiter unten in der Kette auszubeuten auf ein höheres Niveau aufrücken können was gleichzeitig die Geburtenrate senkt. Also dann doch noch ein schwacher Hoffnungsschimmer am Horizont … damit wird ein Zukunftsszenario möglich bei dem es allen Menschen gut geht und die Erde deren Fußabdruck auch noch verkraften kann. Nur leider halt nicht sehr wahrscheinlich.

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