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Wahlabend

Zu den INTJ-Eigenschaften gehört auch die Fähigkeit, bestimmte Entwicklungen vorauszusehen und eine strategische Analyse vorzunehmen. Jetzt am Wahlabend der Bundestagswahl wird mir das sehr offensichtlich, wenn man sich die Äußerungen der Politiker ansieht. Die Wahlforscher der ARD sehen als mögliche Koalitionen nur Union-SPD und die Jamaika-Koalition. Die SPD hat aber auch als erstes angekündigt, in die Opposition zu gehen. Das ist aber erstens nicht die ganze Wahrheit und problematisch: Bei der CSU hat Horst Seehofer schon angekündigt, als Resultat des AFD-Ergebnisses nach rechts rücken zu wollen. Nur wie soll das funktionieren, wenn für eine Jamaika-Koalition die Union nach links rücken muss?

Es gibt nämlich rechnerisch (19 Uhr) noch zwei Möglichkeiten, die anscheinend niemand auf dem Schirm hat: Erstens die linksliberale Koalition aus SPD, Linken, Grünen und FDP. Hier ist aber die Frage, ob FDP und Linke zusammen könnten und ob die Linke überhaupt in die Regierung will. Auf der anderen Seite ist es fraglich, ob eine rechtsdriftende CSU mit den Grünen kann - und es gibt genauso die rechnerische Option einer Koalition aus CDU, FDP und Grünen - die CSU nämlich einfach auszubooten.

Merkel hat also definitiv unrecht, wenn sie behauptet dass es keine Koalition gegen die CDU geben könnte. Das hat Jean-Claude Juncker nämlich auch gedacht, bis sich plötzlich alle anderen gegen ihn verbündet haben.
Nachtrag:
Bei näherem Hinsehen ist der linke Flügel der Linken wohl definitiv nicht koalitionsfähig, diese Lösung scheidet also aus. Und nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis nachgerechnet braucht Merkel bei einer Jamaika-Koalition immer noch fünf Stimmen der CSU, diese Lösung fällt also auch aus, wenngleich die CSU ja immer mal wieder mit einer Auflösung der Fraktionsgemeinschaft droht ...

Und weiterer Nachtrag:
Nachdem sich ja in der Berliner Runde alle so schön gegen die AfD in Stellung gebracht hatten, war mein Gedanke statt Eindämmen und Verteufeln mehr in Richtung "spalten". Da ja mindestens 2/3 der AfD-Wähler gar keine Anhänger sind, könnte man da realistisch den Spaltkeil ansetzen. Der INTJ-Kassandra-Effekt galt dann auch bei diesem Gedanken: Zumindest Frauke Petry hat sich schonmal abgespalten. Und gegen eine vom braunen Gedankengut chemisch gereinigte Partei der verängstigten, Verlierer und Besitzer von Verlustängsten und wer auch immer die AfD gewählt hat hätte ja niemand was.

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