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Blöder Perfektionismus

Ich weiß auch nicht, ob ich nicht die übelste mögliche Kombination der Persönlichkeitsmerkmale erwischt habe: Die analytisch-logische Seite des INTJ verbunden mit der Hartnäckigkeit des Perfektionisten (Enneagramm 1). Übel im Sinne von: So blöd ist niemand sonst. Jedenfalls fühlt sich das in diesen Tagen wieder mal so an. Beispiel 1: Dieses Foto

Mein Prusa I3 Mk2

Mein Prusa I3 Mk2 mit verschiedenen Änderungen, fotografiert mit drei Blitzen

Wie bei vielen anderen Dingen auch, die ich so produziere, hat dieses Foto auch wieder gleich zwei Verwendungszwecke, das ist einfach effizienter: zum einen das Foto als solches, zum anderen den abgebildeten 3D-Drucker. Nachdem ich letzteren aus dem gleichen Grund besprechen wollte und ich das Potential für ein gutes Foto gesehen habe, wollte ich auch ein solches machen. Sich hinstellen und mit dem Handy einmal Click machen hätte 5 Sekunden gedauert. Dieses Foto so etwa 4 Stunden.

Zuerst weißen Hintergrundkarton arrangieren, Lampenstative, Schirme, Blitze und herumprobieren für die richtigen Einstellungen, dann die Bilder in Lightroom angesehen und dann fielen die verschiedensten Fehler auf: zuerst war der Karton vorne wellig und damit die Schattenfuge nicht gleich breit, dann sah man das Stahlstück, was ich zum Beschweren daruntergelegt hatte, dann den Stoß der Kartonbahn ... und so weiter. Beim letzten Bild war immer noch ein Stück Eisen zu sehen, das habe ich dann wegretuschiert. Mein Gedankengang war aber einfach: Wenn du es schon machst, dann kannst Du es auch richtig machen, dann brauchst Du Dir die Arbeit nur einmal zu machen, das ist unter dem Strich effizienter als zwei Mal anzufangen. Wenn ich das von der emotionalen Seite beschreiben soll - am Anfang macht es ja noch Spaß, alles aufzubauen (sonst würde ich ja gar nicht anfangen), aber irgendwann geht das in reine Entschlossenheit über, endlich mit einem akzeptablen Ergebnis fertig zu werden. Der Spaßfaktor geht also ziemlich in den Keller. Danach setzt dann die Befriedigung ein, wenn alles so geworden ist wie man sich das vorgestellt hat.

Bei dem Drucker (Prusa I3 Mk2) war es nicht anders: Die roten Teile sind nämlich alle nicht original, ich habe einen schwarzen gekauft. Weil ich aber nicht zufrieden war und Verbesserungspotential gesehen habe, habe ich nach und nach einiges ausgetauscht. Teilweise waren das Teile, die es auf Thingiverse gab (wie die Zugentlastung an der X-Achse oder den Spulenhalter), anderes wie die Abstützung des Z-Rahmens und die Verschraubung mit dem Basisbrett sind komplett selbst designt. Am Beispiel der Andruckrolle an der Filamentzuführung lässt sich das ganz gut beschreiben: Ausgangspunkt waren Probleme mit dem Druck von sehr elastischen Materialien wie NinjaFlex, es gab immer wieder Stau. Bei der Ursachensuche habe ich mir die Andruckrolle angesehen und habe durch Nachrechnen herausgefunden, dass diese ein klein wenig zu hoch gegenüber der Einzugrolle sitzt. Keine Ahnung wer das konstruiert hat, ein INTJ war es nicht. Vor allem weil das Maß ja eindeutig aus dem Bohrbild des Motors zu berechnen ist. Weil ich das Ding aber nicht austauschen konnte ohne den kompletten Kopf zu demontieren habe ich es erst einmal auf die Seite gelegt und dann alles in einer großen Aktion gemacht, denn ich habe die verbesserte Kabelführung der S-Version dann auch installiert, das ging auf einmal (Effizienz, Effizienz ...). Danach habe ich dann ein paar Probedrucke gemacht bis es jetzt das Material einwandfrei druckt. Das soll jetzt aber auch nicht heißen, dass ich nur den lange vorher ausgearbeiteten Plänen folge: Als ich an den elastischen Probestücken dran war kam mir spontan die Idee, die Basisplatte auf eben diese Schwingungsdämpfer zu stellen - dazu musste ich nur die Form und den Infill etwas verändern um gute Dämpfungseigenschaften zu bekommen und jetzt ist er auch noch super leise. Ähnliche Improvisation gab es bei der Haftung auf dem PEI-Druckbett: das Flexzeug klebt barbarisch und ich hatte Angst, wieder Löcher hineinzureißen. Nachdem Fett und Talkum nicht halfen, sprang mir auf einmal das PVA-Trennmittel aus meinen Expoxyharz-Panschereien wieder in den Sinn: Wirkt wie Wunder und ist einfach mit Wasser abzuwaschen.

Es ist wohl diese Mischung aus spontaner und organisierter Kreativität, Effizienz, schierer Hartnäckigkeit und Perfektionismus, die mich ausmacht - und so ziemlich von jedem anderen abgrenzt. Klar hat das positive Seiten: wenn ich finde, das etwas fertig ist, dann ist das auch fertig und man müsste schon noch Überzeugungsarbeit leisten um mich von dieser Meinung abzubringen. Wenn es Verbesserungspotential gibt, dann steht das bestimmt irgendwo bei mir auf der ToDo-Liste und wartet nur auf den richtigen Zeitpunkt, in Angriff genommen zu werden.

Auf der negativen Seite gibt es ein ganz, ganz großes Problem: Meinen mangelnden Respekt vor Menschen, die der Meinung sind es "geht auch so". Wir haben ja einen Familienbetrieb, wobei ich den Laden vor ein paar Jahren offiziell von meinem Vater übernommen habe. So alle 10 Jahre muss man die Ausstellung komplett erneuern und dieses Mal ist das erste unter meiner Verantwortung. Ich kann mich noch daran erinnern, dass bei den vorherigen Malen die Verteilung der Musterküchen doch mehr oder weniger willkürlich war beziehungsweise einfach den Vorschlägen der Hersteller gefolgt ist, ohne einheitliches Konzept. Auch dieses Mal gab es eine Liste mit Vorschlägen, aber das reichte mir nicht. Ich habe mich dann zwei Abende/Nächte hingesetzt, habe eine Bretterschau erstellt um eine bessere Vorstellung davon zu haben und solange Muster und Planungsvorschläge hin- und hergeschoben bis ich ein brauchbares Konzept zusammen hatte, was dann alle Faktoren wie Lieferant, Preislage, Farben und selbst die Fußböden mit einbezogen hat:

Bretterschau für die neue Ausstellung

Bretterschau für die neue Ausstellung

Ich habe das Konzept dann meinen Verkäufern und meinem Vater vorgestellt, von diesen war aber niemand bereit, sich in einem ähnlichen Maß in das Konzept einzuarbeiten (dazu braucht es doch nur ein paar Stunden) und sich eine Vorstellung von dem zu schaffen was wir da eigentlich bauen wollen. Ohne diese Vorarbeit dann Kritik anzubringen oder Änderungsvorschläge, da fällt mir die Akzeptanz ein wenig schwer. Detailfragen zur Abstimmung zu stellen oder die Vorschlagsliste zusammenzustellen, da habe ich kein Problem mit und das ist auch schwer im Alleingang zu machen, aber das Konzept in Frage zu stellen ohne es verinnerlicht zu haben, das geht dann zu weit. Dabei wünsche ich mir doch nichts mehr als mit jemandem zusammenzuarbeiten, der die gleichen Ziele mit dem gleichen Einsatz verfolgt, so dass man vom gleichen Niveau aus zusammenarbeiten kann, dass es eben nicht den großen Architekten gibt der alle Fäden in der Hand hält und alle anderen machen nur Vorschläge. Leider scheint es so jemanden nicht zu geben - und das gilt beruflich genauso wie in Beziehungsdingen.

Gestern abend auch wieder dasselbe: die Firmenseite läuft unter Joomla, und nachdem ich die Abverkaufsküchen aktualisiert habe, haben mich die Artikel-Titel gestört. Die Option "verbergen" hat aber nichts bewirkt. Ich habe dann alles mögliche versucht, in der Datenbank geschaut ob das Attribut richtig eingetragen wird (ja), in die Quellcodes geschaut bis ich dann nach Stunden bei der wievielten Google-Suche den Hinweis bekommen habe, das das auch mit dem Menü zusammenhängt. Der Rest war dann einfach. Und direkt danach beziehungsweise parallel dazu dieser Blog. Ich schreibe meine Beiträge ohne Markup mit einem einfachen newline to <p> Plugin, was im Paket dabei war. Zwischen der Artikeleinleitung und dem Rest soll es aber eine Leerzeile geben, die nur in der Vollansicht sichtbar ist. Es ging aber nur entweder-oder und das auch nur, wenn man vier!! Zeilenumbrüche hintereinander gemacht hat. Das Forum war hier auch keine große Hilfe, also habe ich mir die Quellcodes heruntergeladen und solange in dem Plugin herumgestöbert, bis ich a) weiß wie es funktioniert und dann b) diese Punkte verbessern konnte. Das waren dann auch wieder sechs Stunden oder so, jetzt ist das Ergebnis aber so, wie ich es mir vorstelle, wie es meinem Sinn von Ordnung und ordentlich entspricht.

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