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Wahre Worte ... von intpmom

Ich stöbere ja immer mal wieder im Web nach interessanten Blogs - von und mit INTx - Typen. Dabei bin ich auf www.intpmom.com gestoßen. Die Bloggerin ist INTP und hat ihre wissenschaftliche Karriere zugunsten von zwei Kindern aufgegeben. Auch hier wieder gilt: es liest sich wirklich gut.

Besonders lesenswert waren diese vier Artikel:

Ich bis vor ein paar Jahren war ich mein ganzes Leben lang in akademischen Umgebungen. Zuerst in einem akademisch strengen Gymnasium, über ein College, eine wissenschaftliche Tätigkeit bis hin zur Promotion war ich immer von Menschen mit intellektuellen Interessen und einer ausgeprägten Wissensbasis umgeben. Auch wenn sie nicht immer ein persönliches Interesse an diesen Themen hatten, bot es immer noch eine intellektuelle Basis für Gespräche und eine gemeinsame Erfahrung, um Freundschaften aufzubauen.

In der akademischen Umgebung fühle ich mich am wohlsten, also war es für mich gesellschaftlich ein großer Vorteil, dort zu sein. Jetzt, da ich völlig außerhalb dieser Welt bin, habe ich ein großes soziales Handicap. Mir wurde klar, dass ich keine Ahnung habe, wie ich tatsächlich mit Menschen in der realen Welt sprechen kann oder wie ich eine Beziehung mit Menschen aufbauen kann, die sich nicht für akademische Themen interessieren

Das sagt zwei Dinge aus: zum einen aus der hätte-wäre-Ecke: die akademische Karriere hätte schon ihre Vorteile gehabt. Und zum anderen: ich bin nicht allein mit dem Problem. Weiter unten im Artikel wird es noch interessanter: Sie ist mit einem INTJ (sic!) verheiratet. So, wie sie es beschreibt, ist das genau das, was ich mir darunter vorstelle:

Meinen Mann als einzigen Freund für das vergangene Jahr zu haben, hat eine hohe Hürde für das gesetzt, was ich von einem Freund erwarte.

Mit meinem Mann KJ habe ich tolle Gespräche. Es ist so einfach, mit ihm zu reden, er ist intelligent und kennt sich mit einer großen Bandbreite von Themen aus und er hat (meines Erachtens) einen großartigen Sinn für Humor. Und wir sind beide ziemlich komisch oder exzentrisch - wie man es nennen mag. KJ ist genauso exzentrisch wie ich, aber auf eine etwas andere Art. Mit ihm zusammen zu sein, hat mich deshalb noch seltsamer gemacht. Weil wir die Verrücktheit des anderen begrüßen und miteinander so sein können wie wir sind, beginnen unsere Gespräche auf der Ebene, auf der die meisten meiner Gespräche mit anderen Menschen enden.

Der Nachteil ist, dass ich weniger fähig und weniger bereit bin, mich wie ein normaler Mensch zu verhalten. Ich war früher vieil besser darin, mich anzupassen. Nachdem ich nur noch KJ als meinen einzigen erwachsenen Gesprächspartner hatte, bin ich nicht nur außer Übung, sondern habe auch gemerkt, wie sehr ich es mag, Gespräche unter dem Schutzmantel unserer gegenseitigen Verrücktheit zu führen und wie sehr ich es nicht mag, meine Unbeholfenheit und Eigenheiten zu verbergen. Ausgehen und neue Leute zu treffen, die meine Eigenheiten nicht teilen, ist ziemlich anstrengend. Aber ich kann mich nicht darauf verlassen, dass KJ alle meine sozialen Bedürfnisse erfüllt. Ich möchte immer noch Freunde mit unterschiedlichen Perspektiven, Interessen und Meinungen haben. Es ist so schwer, sie zu finden.

Insgesamt trifft das gerade meine Situation schon ganz gut und wie ich mir auch eine Beziehung vorstelle. Ich habe eben kein Problem, wenn der andere eben auch seltsam ist, sondern fühle mich ja geradezu von so etwas magisch angezogen. Ich glaube immer noch daran, dass es eben eine ganz besondere Chemie gibt, mit demjenigen zusammenzusein der einen auf einer Ebene versteht wie das eben die anderen Menschen eben nicht können.

In meinen jüngsten Begegnungen mit einer Reihe von INTJs habe ich eine Eigenschaft bemerkt, die sie scheinbar alle teilen: In beiläufigen Gesprächen wirken INTJs oft unglaublich selbstgefällig. Das gilt für meinen INTJ-Ehemann, der oft wie eine völlig andere Person aussieht, wenn er mit anderen Menschen zusammenarbeitet, als wenn wir alleine sind. Er neigt dazu, als ein selbstgefälliges Arschloch zu erscheinen, wenn er mit Leuten spricht, die er nicht gut kennt.

Ich dachte, diese Aura der Selbstgefälligkeit könnte daher stammen, weil INTJ denken, dass sie klüger sind als alle anderen, aber laut meinem Mann ist es eigentlich eine Fassade vorgetäuschter Selbstsicherheit, die ihre Unsicherheiten in sozialen Situationen oder im Umgang mit Menschen, die sie nicht gut kennen, verbergen soll. .. (Wenn INTJs tatsächlich denken, dass sie klüger sind als du, ist es für sie normalerweise so offensichtlich, dass sie eher nüchtern oder verärgert sind als selbstgefällig.)

Ich weiß da nicht, ob man das verallgemeinern kann. Mir ist aufgefallen, dass ich bei den Gelegenheiten, wo es ein großes Publikum gibt, ziemlich vorlaut werde, mehr als selbstgefällig. Ich glaube nicht, dass das mit vorgetäuschter Selbstsicherheit zu tun hat. Wenn ich tatsächlich unsicher bin, dann ziehe ich mich eher in eine Ecke zurück oder tauche in die Deckung der Masse unter.

Wenn mein Mann am Telefon mit Freunden und Familie spricht, redet er lange Zeit ohne Pause, über alles, was in seinem Leben vor kurzem passiert ist. Dann erwartet er, dass der andere lange über sich selbst spricht. Er kann dann die Zeit nutzen, während die andere Person spricht, um sich das zu überlegen, was er als nächstes sagen wird. Wenn ich am Telefon spreche, bevorzuge ich ein lebhafteres Hin und Her, indem ich abwechselnd jeweils eine Anekdote erzähle und oft pausiere, um eine Antwort zu erhalten. Ich mag es nicht zu lange zu reden, ohne zu fragen, ob mein Freund immer noch interessiert ist oder ob er etwas Wichtigeres zu sagen hat.

Der INTP-Ansatz führt wahrscheinlich zu einem unangenehmen Schweigen, in dem er nicht weiß, was er sagen soll, und der INTJ-Ansatz wird wahrscheinlich dazu führen, dass Bekannte sich in die Enge getrieben fühlen oder meint dass der INTJ ein Besserwisser ist. Ich bin mit Schweigen vertraut und habe mich daran gewöhnt, also stört es mich nicht wirklich. Was mich wirklich unbehaglich macht, ist zu reden, wenn es niemanden interessiert, was ich sage, oder falsche Sicherheit widerlegt zu haben. Ich versuche deshalb nie, übermäßig selbstsicher zu sein, weil das von denjenigen, die tatsächlich zuversichtlicher oder sachkundiger sind, leicht bloßgestellt werden kann. Aber für einen INTJ, dessen J sie dazu bringt, für jede Situation so vorbereitet wie möglich zu sein, erzeugt Unvorbereitetheit Angst. Dabei erwischt zu werden nicht sagen zu können oder über ihre Worte zu stolpern, ist für sie schlimmer als ein gelangweilter Bekannter oder arrogant zu wirken.

Das ist mal eine interessante Beobachtung, und ja, sie stimmt. Ich neige dazu, zu reden, geschwätzig zu werden, aber ich erwarte im Gegenzug das auch von meinem Gegenüber und bin enttäuscht, wenn da nichts kommt. Und ich kompiliere Gespräche (oder Briefe) im Hintergrund vor. Deshalb hat mich das auch so geschockt, als ich von der Frau aus der Stuttgarter Ecke, die ich über EDarling kennengelernt habe, völlig überraschend angerufen wurde.

Was ich auch sehr interessant finde, ist der tiefe Einblick in die Dynamik einer Beziehung zwischen INTP und INTJ:

Sowohl INTJs als auch INTPs werden oft als kalt, gefühllos und emotional distanziert wahrgenommen. Wir sind nicht so geschickt wie andere Typen, Emotionen zu zeigen und zu vermitteln, aber wir erleben Emotionen sehr tief und haben ein starkes Bedürfnis nach emotionaler Intimität - wenn auch nur mit sehr wenigen Menschen.

Ich reagiere auf extremen Stress, indem ich heulen muss, und ich muss die Sachen rauslassen, schimpfen und reden, um mich besser zu fühlen. Mein Mann reagiert auf Stress, indem er sich distanziert und sich nach innen wendet, um Dinge alleine zu verarbeiten. (Da ich introvertiert bin, bin ich im Allgemeinen genauso in Bezug auf andere. Aber für mich ist KJ für eine emotionale Erweiterung von mir selbst, also muss ich meine Gefühle mit ihm teilen, um mich besser zu fühlen.)

Um alles noch schlimmer zu machen, wird KJ sehr angespannt, wenn ich weine, und ich werde sehr angespannt, wenn er sich emotional zurückzieht. Es macht die Dinge schwierig, wenn wir beide gleichzeitig gestresst sind und weil wir beide unreife Gefühlsmenschen sind, sind wir nicht die Besten darin.

Auf einen solchen Plan zur Vermeidung einer Beziehungskrise können dann aber auch nur zwei NT-Typen kommen, das ist so was von Stereotyp ... eine Gebrauchsanweisung zu schreiben. Aber andererseits dürfte es ja wirklich helfen:

Letztes Jahr haben wir einen Aktionsplan für die Abstimmung unserer inkompatiblen Stressmanagementmethoden erstellt. Hier sind einige unserer Lösungen:

  • Ich werde heulen, wann immer ich es brauche, anstatt es zurückzuhalten, was es unweigerlich noch schlimmer macht. Es ist für KJ einfacher, mit Tränen in mehreren kurzen Ausbrüchen umzugehen als mit einem langen Ausbruch. Ich werde ihm sagen sobald ich das Gefühl habe, dass ich heulen muss, damit es ihn nicht überrascht.
  • Wenn er gestresst ist, wird er mit mir darüber sprechen, bevor er es auf seine einsame Weise verarbeitet, damit ich weiß, was los ist.
  • Wir werden über Dinge sprechen, die uns belasten, anstatt sie sich ansammeln zu lassen und uns gegeneinander die Stimmung verderben zu lassen.
  • Einmal in der Woche werden wir uns hinsetzen und einen emotionalen Rapport machen, bei dem wir beide ausführlich über unsere Gefühle in der letzten Woche sprechen.

Und zu guter Letzt noch die Bedeutung oder Besser die Beziehung zwischen P und J und der Zukunft beziehungsweise der Gegenwart, wie das Empfinden der jetzigen Situation und deren Einordnung doch unterschiedlich ist:

Als P kann ich sehr gut im Hier und Jetzt leben, weil ich ständig Informationen über den Moment aufnehme und verarbeite. Während ich in den Jahren zwischen dem College und dem Kennenlernen meines Mannes Single war, habe ich mein Leben mit Aktivitäten und Erfahrungen gefüllt, die ich alleine genossen habe. Meine Zukunft war offen, und obwohl ich mich verlieben wollte und eine Familie gründen wollte, wusste ich, dass es möglicherweise niemals passieren würde, und ich habe es akzeptiert, weil ich glücklich war.

Der Gemütsraum meines Mannes ist immer in der Zukunft, denn als J liebt er es, Pläne zu machen. Es war immer sein Ziel, eine Familie zu haben, und viele seiner anderen Pläne und Entscheidungen im Leben hingen davon ab. Ohne dieses Puzzleteil war er nicht in der Lage, seine anderen Pläne weiterzuverfolgen, und er war nicht in der Lage, die Gegenwart zu genießen, wenn die Zukunft unbekannt war.

Wenn wir während der Woche getrennt sind, fühlt er sich nicht sehr einsam, weil ihm das große Bild immer noch präsent ist. Unsere Familie zu haben, motiviert ihn und gibt ihm den Sinn, den er braucht, während ich eher dazu neige, Dinge zu vergessen, die nicht vorhanden sind. Ich genieße das "Jetzt", zusammen mit meiner Familie zu sein mehr als unsere Zukunftspläne.

Die Zukunft ist für meinen Mann viel greifbarer als für mich. Solange die Zukunft gut aussieht, kann er glücklich sein, auch wenn die Gegenwart langweilig ist. Wenn die Zukunft schlecht oder unbekannt ist, kann er die Gegenwart nicht genießen, selbst wenn sie gut ist. Ich bin das Gegenteil; Ich kann in dem Moment leben und die Gegenwart genießen, egal wie die Zukunft aussieht, aber wenn der gegenwärtige Moment beschissen ist, berührt es mich sehr, selbst wenn das große Bild gut aussieht.

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INTJBlog.de am : INTPMom - Nachtrag

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Zum Artikel "INTPMom" gibt es noch einen Nachtrag: Meine Mutter ist INFP und kann leider kein Englisch, deshalb habe ich ihr besagten Artikel in der deutschen Übersetzung zu lesen gegeben. Ihre Meinung dazu war, das das doch schrecklich einsam ist und erf

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