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INTJ und Kreativität

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Über die Feiertage komme ich endlich mal dazu, meine ToDo-List bezüglich dieses Blogs etwas abzuarbeiten. Auf diese Liste kam jedes Thema, das ich behandeln wollte, und Kreativität stand schon lange darauf. Somit ist das auch eine Antwort auf INTJunicorn. Ich bin zwar kein professioneller Künstler, habe meine Nase aber doch in einige Kunstsparten gesteckt und zumindest lächerlich unterbezahlte Euros dafür bekommen. Und ja, die Frage ist ob man als hochgradig organisierter, "emotionsloser" INTJ überhaupt etwas mit Kunst anfangen kann ist schon einer Betrachtung wert.

Doch fangen wir zeitlich ziemlich weit vorne an. In der Schule gibt es zwei künstlerische Fächer: Kunst und Musik. Kunst bedeutet praktisch nur malen mit Wasserfarben, und da war ich nicht so besonders gut. Ich habe zwar mal bei einem kreisweiten Kindermalwettbewerb den 9. Platz belegt und bei der Radierung (Vogelnest im Baum) war das Ergebnis auch ganz ansehnlich, das es mit den anderen besten Bildern der Klasse aufgehängt wurde (und leider so verloren gegangen ist). Im Nachhinein betrachtet, aber eher bescheiden, da meine Vorstellungskraft nie ganz mit meiner Maltechnik mithalten konnte. Ich hatte schon überlegt, die Dinger abzufotografieren und hier einzustellen, aber dann hat der stereotypische INTJ-Perfektionismus wieder gewonnen: Wir gehen mit etwas nur dann an die Öffentlichkeit, wenn wir wissen, das es auch gut ist. Für den Außenstehenden mag es dann so erscheinen als seien wir super mit all dem was wir machen, in Wahrheit verbergen wir nur das, was dieses Bild infrage stellt.

Bei Musik sah das etwas anders aus. Ich habe erst spät angefangen (mit 10) Klavierunterricht zu nehmen, vier Jahre später bin ich dann auf Kirchenorgel umgestiegen und zum Unterricht gehörte auch Musiktheorie und Harmonielehre. In der Schule war ich dann in der zweiten Reihe der Klavierspieler - hinter den Vorzeigetalenten - aber auf der Bühne stand ich trotzdem einige Male. Außerdem als Tenor im Schulchor. So la la, ich kam immer nur bis zum As' - eigentlich Bariton, das hat aber für die Tenor-Chorpartien immer gereicht. Ich kann aber für mich in Anspruch nehmen, in der Grundschule wegen zu begeistertem Singens aus dem Klassenraum verwiesen worden zu sein (einmal im Leben ...). Ich habe mich aber auch nicht damit begnügt, nur fertige Musik zu spielen, sondern habe immer auch improvisiert und dann auch kleinere Stücke komponiert. Als Orgelschüler musste man auch regelmäßig Vertretungen für den regulären Organisten/Lehrer spielen und das habe ich dann auch später noch eine Zeit weiter gemacht. Da ich aber nur die Kreismusikschule und keine Kirchenmusikschule besucht habe, wurde das nur jämmerlich bezahlt, auch wenn ich regelmäßig einen musikalischen Overkill betrieben habe und das Best-of der Orgelliteratur als freie Stücke genommen habe. Ich war aber nie so perfekt, wie man das erwarten würde, die Fehlgriffe und -tritte gingen regelmäßig in die Dutzende. Dürfte aber kaum jemand gemerkt haben. Ich habe auch das eine oder andere tatsächlich aufgenommen, brauchte aber jeweils dutzende Takes bis es endlich ohne Fehler geklappt hat. Kurz: Dieser absolute Fokus auf Perfektion (und stundenlanges Üben), der für eine Musikerkarriere unerlässlich ist lag mir einfach nicht.

Worauf ich dann einige Hoffnung gesetzt habe, waren meine Kompositionen: Zuerst eine Messe für Chor und Orgel und dann ein ausgewachsenes Konzert für Klavier und Orchester. Bei aller sprichwörtlichen neutralen INTJ-Selbstbeurteilung finde ich letzteres immer noch ordentlich. Nicht genial, aber auch nicht so viel schlechter wie Beethovens zweites, das er im gleichen Alter geschrieben hat (Nummer 3 bis 5 sind eine Klasse besser). Leider fand ich niemanden, der diese Meinung geteilt hätte und mir die Chance einer Aufführung gegeben hätte. In Deutschland zählt eben nur derjenige, der an einer Hochschule studiert hat und eine Musikkarriere kam nun einmal für mich nicht in Frage.

Mit etwas Verspätung hat sich aber für visuelle Kunst noch eine Ausdrucksform gefunden: Nachdem ich beim Malen ja nicht das zu Papier bringen konnte was ich mir vorgestellt habe, hatte ich ja trotzdem eine Vorstellung davon, wie ein gutes Bild auszusehen hat. Kombiniert mit meiner Vorliebe für Technik ist dann Fotografie ein möglicher Ausdrucksweg. Da habe ich dann auch viele verschiedene Spielarten ausprobiert: Von klassischen Studioaufnahmen zu Street Photography, Natur, Architektur, Konzerte .. einfach alles, wo ich ein Motiv gesehen habe und das "nur" festhalten musste. Auch hier habe ich das als Nebenjob für die Lokalzeitung gemacht und wieder Overkill betrieben, denn ich habe immer mehr künstlerisch angehauchte Bilder gemacht als seitens der Redaktion verlangt wurden. Aber warum sollte ich denn nicht ein schönes Bild liefern, wenn es ging? Der Redaktion ging es mehr darum, was abgebildet war, egal wie es aussah ...

Tja, nachdem ich mangels Anerkennung sowohl die Orgelspielerei als auch den Zeitungsjob hingeschmissen habe, ist meine künstlerische Ader ein wenig eingeschlafen. Ich fotografiere immer noch hin und wieder und muss auch noch die im Urlaub gemachten Bilder der letzten zwei Jahre sortieren (RAW behalten oder nicht, HDR zusammensetzen). Das fällt aber immer so schwer, obwohl ich mich schon sehr zurückgehalten habe und nur auf den Auslöser gedrückt habe wenn die Chance bestand, ein gutes Bild zu machen. Das schöne dabei ist aber, dass ich praktisch da weitermachen könnte wo ich aufgehört habe, wenn sich neue Perspektiven ergeben.

Aus der Notwendigkeit heraus mache ich für die Firma noch die Anzeigen, Internetseite und die Videos der Kochevents, keine Ahnung ob das auch unter Kunst zählt. (fiskalisch anscheinend schon, wäre ich nicht primär Händler müsste ich dafür Abgaben in die Künstlersozialkasse zahlen). Und natürlich dieser Blog hier .. der zumindest etwas von Schriftstellerei hat.

Noch ein Wort zu der Methode, wie ich an Kunst herangehe - nicht wesentlich anders als an technische Probleme. Zuerst verschaffe ich mir möglichst viel Input als Basis. Während ich komponiert habe, hatte ich zum Beispiel sehr viel Bach und Beethoven im Kopf. Aus diesem Pool kommen dann die Ideen. Nicht im Sinne von abschreiben, sondern mehr als Saat oder Inspiration. Bei Sachen mit weniger künstlerischem Anspruch hält man sich direkter an die Vorlagen, je größer der Freiraum und der Ideenpool ist, desto mehr entfernen sich die Ideen von der Vorlage. Eines ist ja schließlich klar: Die Formensprache innerhalb eines Stils ist begrenzt, man kann gar nichts vollkommen neues schaffen, sondern greift immer auf ein Gerüst zurück, genauso wie innerhalb von Fantasyromanen bestimmte Elemente immer wieder vorkommen. Es mag zwar geniale Künstler geben, die etwas völlig neues, vorher nie dagewesenes schaffen, aber in diesem Punkt dürften Perciever wirklich im Vorteil sein.

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