Skip to content

Stephan vs. PrusaI3Mk2 vs. NinjaFlex

Ein Hintergedanke beim Kauf des 3D-Druckers war die Möglichkeit, mit verschiedensten Materialien zu drucken, abhängig vom Einsatzzweck. Ein Filament mit besonderen Eigenschaften ist NinjaFlex mit einer Shore-Härte von 95A sehr elastisch und damit bestens geeignet für Dichtungen, Gummifüße und so weiter. Die Tatsache, das das Material komprimierbar ist, macht die Verarbeitung aber auch sehr heikel. Hier vier Probestücke und die Geschichte dazu:

NinjaFlex Probestücke

NinjaFlex Probestücke

Das linke Stück wurde ganz normal mit einem standardmäßigen Prusa I3 Mk2 bei 225°C gedruckt und ist einwandfrei. Wenn es immer so einfach wäre ... es hat leider nicht immer ganz zuverlässig funktioniert und das Filament bei zu viel Andruck seitlich zwischen Extruderritzel und Hotend herausgedrückt. Zu wenig Andruck, und es wurde nicht genug Material gefördert, auch bei auf 15 mm/s reduzierter Geschwindigkeit. Das ganze verbesserte sich leicht, nachdem ich das Andruckteil geändert habe damit die Achsen von Extruder und Kugellager genau auf einer Höhe lagen, vom Werk aus war da ein kleiner Versatz drin.

Jetzt druckt man nicht jeden Tag mit dem Material, und meine Probestücke sahen auf einmal so aus wie Nr. 2, egal wie ich die Federspannung eingestellt habe. Es war echt zum Verzweifeln. Andererseits ist die Lösung eines so verzwickten Problems ja eine unwiderstehliche Herausforderung für einen INTJ. Die erste erfolgreiche Idee zur Fehlersuche war, auf dem Kugellager Markierungen anzubringen damit man sieht ob es sich überhaupt mitdreht. Hier wurde schon deutlich das bei zu viel Andruck etwas blockiert, das Maximum war aber nicht genug um damit drucken zu können. Warum auch immer es vorher geklappt hat. Ein Test mit einem dazwischengelegten Papierstreifen zeigte, das das Kugellager sowohl am Extruder als auch an der Ummantelung des Bowdenrohrs anstieß.

Extruder Standardversion

Extruder Standardversion

Bei letzterem konnte man etwas Material wegnehmen, bei ersterem half nur eine Neukonstruktion. Auf ein kleineres, nur 11mm großes Kugellager wurde ein Messingring aufgepresst der in der Mitte eine Riffelung hat die aber an den Außenkanten auch wieder abgedreht ist (1). Dadurch ist mehr Andruck möglich ohne eine mechanische Blockade.

Extruder Stephan spezial

Extruder Stephan spezial

Dummerweise spielt dann das Material nicht mit, das mag nämlich nicht unter Druck gesetzt werden und weicht seitlich aus, selbst durch die kleinsten Spalten. Deshalb musste eine Zusatzführung her, die den Weg zur Seite verhindert (2). Auf dem Bild ist die vierte Version und selbst die ist nicht perfekt weil der Weg durch die Ritzelnut nach vorn immer noch möglich ist. Das ist zwar winzig, aber das NinjaFlex quetscht sich da durch.

Extruder Rückseite

Extruder Rückseite

Man ahnt es: trotz all dieser Verbesserungen konnte ich das dritte Teststück nur drucken indem ich die Temperatur auf 250°C erhöht habe. Die Oberfläche war noch dazu alles andere als glatt. Jetzt hatte ich schon ein paar Abende gebastelt und war mit den Nerven so ziemlich am Ende. Ich habe dann erst mal aufgehört und schon ein paar Stunden später setzte der Zauber der Introverted Intuition ein: kann es sein, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der rauen Druckoberfläche und meinen Problemen? Beim Laden des Filaments kam der Faden auch sehr zittrig aus der Düse. Bei PLA gab es keinerlei Probleme weil das ohne Gnade vom Extruder durchgerammt wird, aber wenn die Düse durch Verkrustungen ein wenig verstopft ist, dann erhöht das den Widerstand und ist auch Ursache für die Oberfläche. Also Düse ausbauen und so weit wie möglich reinigen, eine Kombination aus Heißluftgebläse zum Warmmachen, einem 2 mm Bohrer für innen, der Akupunkturnadel für die Innenbohrung und einem kleinen Gasbrenner zum Freibrennen der Reste die nicht mehr schmelzen wollten. Das Ergebnis nach Zusammenbau und Neukalibrierung ist Teil 4. Endlich druckt es Zuverlässig! Ganz 100% erreicht man das Druckbild mit der neuen Düse nicht mehr (Verschleiß? 1)), aber wenigstens war des Rätsels Lösung gefunden. Das gedruckte Teil bewies auch, das man NinjaFlex auch mit Support drucken kann. Der Support kann einfach abgerissen werden, das ist sogar noch einfacher als mit PLA.

NinjaFlex mit Support

NinjaFlex mit Support

Das ganze wird ein Fuß für ein 20x20 mm Vierkantrohr. Der NinjaFlex-Teil ist die weiche Unterseite und damit auch rutschhemmend. Auch wegen der Form musste ich den Stopfen teilen und um 90° gedreht drucken, Teil 2 ist dann aus Flexfill98A, das zwar immer noch elastisch, aber sehr viel steifer ist. Aufgrund der Druckrichtung kann man die Rippen leider nur symmetrisch machen, der Überhang ohne Stützstruktur ist auf etwa 45-50° begrenzt. Das Flexfill98 ist deutlich einfacher zu drucken und klemmt gut im Rohr fest, wo die Rippen etwas komprimiert werden. Auf das schräge Ende wird dann die NinjaFlex-Kappe mit Stabilit express verklebt.

Stopfen Flexfill

Stopfen Flexfill

Nachtrag: 1): Wie aus diesem Youtube-Video hervorgeht, ist die Ursache der nicht so glatten Oberfläche wahrscheinlich die inzwischen vom Filament aufgenommene Feuchtigkeit.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Formular-Optionen