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Unzufriedenheit

Auch wenn man sehr introvertiert ist, hat man doch immer wieder mit Menschen zu tun. Und manchmal hinterfragt man dann doch, was deren Lebenseinstellung ist. Und ob das vielleicht doch auch mit dem Typ zu tun hat. Ich bin ja Unternehmer und arbeite mit verschiedensten Firmen zusammen, darunter auch mit meiner Montagefirma. Hier ist die Zusammenarbeit schon von Beginn an etwas angespannt. Wir haben die gleichen Konditionen vereinbart wie mit dem vorherigen Montageunternehmen - ein pauschaler Prozentsatz vom Warenwert - und haben auch den Zeitplan zuerst genauso gestaltet wie vorher. Weil aber die Montagen deutlich länger dauerten funktionierte das System für sie nicht, da höheren Kosten ja keine höheren Einnahmen entgegenstanden. Das man deshalb unzufrieden ist, ist ja grundsätzlich noch zu verstehen. Sie waren eine Bezahlung auf Stundenbasis gewohnt. Was ich jetzt nicht verstehen kann ist - wenn ich jetzt einen Küchenumzug auf Stundenbasis abrechne - also das, was sie immer wollten - warum sind sie dann immer noch unzufrieden, nur weil es dabei Komplikationen gibt? Wenn zusätzliche Reparaturen gemacht werden müssen, bedeutet das ja nichts anderes als mehr Stunden (die sich ja problemlos rechtfertigen lassen) und damit auch mehr Einnahmen. Das ist in etwa so als würde man einen Taxifahrer in Berlin fragen, einen Passagier nach München zu fahren. Die allermeisten dürften sich ja die Hände reiben weil es dafür massig Kohle gibt und leicht verdientes Geld ist. Das hier wäre hingegen vergleichbar damit wenn der Taxifahrer ablehnt weil ihm das zu lange dauert oder zu weit ist oder zu langweilig oder was auch immer.

Sehe ich das von meiner Seite, dann ist die Lebenseinstellung wohl eine völlig andere. Zum einen versuche ich immer einen positiven Ausblick zu haben und alles nicht zu ernst zu nehmen. Das geht ja so weit dass ich selbst mit einer Wurzelentzündung beim Zahnarzt immer noch herumgescherzt habe. Wenn ich jetzt gejammert und lamentiert hätte, dann wäre es ja keinen Deut besser gewesen. Vielleicht liegt es auch daran dass ich fest daran glaube meine Situation selbst weitgehend beeinflussen zu können. Mit anderen Worten: Wenn es schlecht läuft, hätte ich es besser machen müssen, bin grundsätzlich selbst daran schuld. Das ist die vielfach erwähnte Selbstkritik eines INTJ. Wenn ich die Situation verbessern will, habe ich es selbst in der Hand und muss mich einfach nur mehr anstrengen. Es gibt natürlich auch Dinge, die man nicht selbst in der Hand hat und bei dem immer noch laufenden kompletten Neubau unserer Ausstellung ist da eine ganze, ganze Menge von anderen Menschen zu meinen Lasten falsch gemacht worden. Nur was bedeutet das für mich? Ich kann mich natürlich darüber aufregen, aber helfen tut das nicht. Vielmehr kostet das noch zusätzlich Energie, vor allem wenn es gehäuft auftritt. Solange sich die Fehler aber in Ordnung bringen lassen - auch wenn es mehr Aufwand für mich bedeutet - kann ich damit noch ganz gut leben. Klar hätte ich es lieber anders und ich sage das auch, die Stimmung lasse ich mir davon aber nicht verderben. (Bei nicht korrigierbaren Fehlern ist das etwas anderes, siehe den Artikel über Perfektionismus und Motivation).

Ich bin in den letzten Monaten sehr viel selbst am montieren und der Normalfall ist der, das es schlechter geht und länger dauert als angenommen. Das ist aber doch nicht negativ weil es ja Spaß macht, ein bestimmtes Endergebnis herzustellen und meistens kann ich dabei noch zusätzlich etwas neues lernen was auch positiv ist. Wenn man dann ein neues Werkzeug einsetzen kann und damit geht es viel einfacher als vorher - nochmehr Spaß an der Sache. Das ganze führt sogar dazu, dass ich bestimmte Dinge für Kunden gemacht habe die man normalerweise nicht machen würde, weil sie zu aufwändig sind und zumindest mir selbst zu teuer wären. Da war die Dunstabzughaube mit den hereingedrückten Schaltern wo ich eine komplett neue Befestigung entworfen, gedruckt und eingebaut habe. Nach Stunden gerechnet war das fast so teuer wie ein neues Gerät. Oder der Kühlschrank bei dem ich die alte Front restauriert habe was auch vier, fünf Stunden gedauert hat. Ich habe dann tatsächlich die Kunden gefragt, wie viel ihnen die Reparatur wert sei. In anderen Fällen habe ich auch nur die Hälfte berechnet weil für mich der Lerneffekt, eine Herausforderung zu meistern oder einfach etwas einmal auszuprobieren im Vordergrund stand. Das ist etwas anderes wenn es Routine wird - da ist der Reiz dahin und dann soll es sich wenigstens lohnen - wenngleich ich mich immer noch am Ergebnis motivieren kann.

Leider sind meine interpersonellen Fähigkeiten ja nicht so berühmt und um wieder zum ursprünglichen Thema zurückzukommen: Ich weiß nicht was in den Köpfen der latent unzufriedenen Mitmenschen vor sich geht. Ich vermute, dass der N/S - Gegensatz da durchaus eine Rolle spielt, da in dem einen Fall die Ist-Situation im Vordergrund steht und diese ja nicht immer so toll ist. Im Intuitiven Fall spielt die Zukunft eine größere Rolle und das merke ich selbst besonders gut: Eigentlich müsste ich total miesepetrig sein, weil ich arbeiten muss wie blöd (kein Feierabend, keine Wochenenden, kein Urlaub) und aufgrund der hohen Kosten wahrscheinlich auch noch dafür bezahlen muss (wenig bis kein Gewinn). Das spielt aber für meine Einstellung so gut wie keine Rolle: Ich sehe die - nach den Worten des Werbetexters - fantastische Ausstellung und die sich daraus in der Zukunft ergebenden Möglichkeiten und sehe deshalb über das Jetzt einfach hinweg. Was mir nur fehlt wären andere Intuitive mit den man diese Vision teilen könnte - und da sieht es leider immer noch düster aus. Das Verhältnis ist niemals 2:1 wie es die üblichen Statistiken angeben. Was auch noch eine Rolle spielen könnte - wahrscheinlich sind SJ häufiger betroffen als SPs. Letztere sind komplett im Jetzt und im Erleben, ihren Sinnen verwurzelt (das berühmte Kölner "et ass noch immmer jut jegange") während die Entscheidung, unzufrieden zu sein ja einen Schritt weitergeht und das Jetzt mit einem unerreichbaren Idealzustand vergleicht.

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