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Mobbing

Heute (28.08.2019) in den Tagesthemen: ein Beitrag zum Thema Mobbing in der Schule. Angesichts der Tatsache dass es die Außenseiter trifft - dürfte es niemanden wundern wenn ich sage dass ich auch genug davon abbekommen habe. Was mich aber sehr erstaunt ist das Studienergebnis, dass 80% der Mobbingopfer Selbstmordgedanken hegen. Ich kann das jetzt nur aus meinen Erfahrungen sagen aber ich kenne das Wir-nehmen-dir-die-Mütze-weg-und-werfen-sie-im-Kreis-herum Spiel ziemlich gut, da kann ich mich noch gut daran erinnern, das muss in der Grundschule gewesen sein. Ich hätte auch angezündete Schnürsenkel, die Sache mit dem Messer und der Hand (der Feigling hat sich nicht getraut zwischen die Finger zu stechen, haha) und noch ein paar andere Episoden anzubieten. Ich war dann auch mehrfach gezwungen der Sache etwas deutlich Einhalt zu gebieten als wesentlich jüngere Kinder dachten sie könnten da auch mitmachen. Blöde Idee wenn das Opfer stärker ist als man selbst und man allein ist. Ja, ich habe mich ein paar mal geprügelt, aber immer nur in Notwehr. In der Grundschule hatte ich ja außerdem noch das Handicap, dass ich so ziemlich eines der jüngsten Kinder war und damals war ich genauso schmächtig wie heute. Aber ich denke auch, dass der Spruch "was einen nicht umbringt das macht einen härter" auch stimmt. Es gab in der Klasse einen ziemlich großen und kräftigen Jungen der mich auch zur Zielscheibe erklärt hat. Ach so, die Bücher sind zwar schon ziemlich alte Schinken, aber "Fury" sollte auf den Index der jugendgefährdenden Schriften. Joes Kinnhaken haben meinem Bruder ein Stück Zahn gekostet und bei besagtem viel größeren, aggressiveren und kräftigeren Jungen habe ich den Mut der Verzweiflung zusammengenommen und ihn mit einem Schlag in den Magen umgehauen als er mich mal wieder herumschubsen wollte. Danach hatte ich meine Ruhe.

Was ich aber witzig finde ist das Cybermobbing à la "du bisst hässlich" oder so. Gut, zu meinen Schulzeiten gab es das noch nicht, aber das funktioniert bei einem INTJ auch nicht. Dem ist das nämlich reichlich egal was andere von ihm denken. Du magst mich nicht und meinst dass ich doof bin? Wenn du meinst ... wenn man sowieso ein Einzelgänger ist und man sowieso keinen Platz in der Gruppenhierarchie hat der in Gefahr ist, man außerdem ein gesundes Selbstbewusstsein hat ist das schnurz. Solange man von den Lehrern fair behandelt wird kann man damit gut leben. Man kann das natürlich auch so sehen dass ich mich selbst zur Zielscheibe gemacht habe: Wer läuft noch bis zur neunten Klasse (oder sogar noch länger) mit einem guten alten Scout-Schulranzen herum (das Ding war halt robust und praktisch ...). Sich selber Geschichten erzählen oder singen auf dem Schulweg ist auch nicht gerade für das Image förderlich.

Deshalb: wenn der Psychologe in dem Beitrag sagt, dass man Mobbingopfer wieder aufbauen muss, dann stimmt das so nicht ganz. Das war zwar unangenehm, aber ich wäre deshalb nie zusammengebrochen oder hätte an Selbstmord gedacht. Rache .. schon und es ist eine reale Gefahr das gemobbte Kinder dann unter Umständen Amok laufen. Auf der anderen Seite hätte ich nie jemanden umgebracht, denn das geht am Ziel ja völlig vorbei. Man will ja demonstrieren dass man der stärkere ist und eine Leiche kann das ja nur schwer zur Kenntnis nehmen. Außerdem verbaut man sich damit seine Zukunft wenn man die Aktion nicht von vornherein mit Selbstmord beenden will was ja grundsätzlich nicht in Frage gekommen wäre. Ich weiß noch dass ich mir immer gewünscht habe mal am längeren Hebel zu sitzen. Und die schlimmste Erkenntnis ist die Lebensweisheit dass das erstens nur selten passiert und zweitens ich nicht der Typ dafür bin das dann auch schamlos auszunutzen. Ich denke immer einen Schritt weiter und fast immer habe ich es dann bleiben lassen denn man könnte denjenigen ja nochmal brauchen. Ich habe aber so eine Art mentaler schwarzer Liste wo diejenigen Menschen darauf stehen die mir gegenüber so eine Machtdemonstration gebracht haben. Da hätte ich dann kein Mitleid.

Wo ich jetzt an dem Artikel schreibe fallen mir noch so ein paar Episoden aus der Mittelstufe ein. Da gab es das Internatskind aus Mainz bei dem ich auch auf der Opferliste stand (war das der, der sich von hinten angeschlichen hat und mich am Kopf hochgehoben hat?). Als er die Schule gewechselt hat und abgeholt wurde haben alle am Fenster gestanden und gewunken und ihn verabschiedet. Ich habe laut "auf Nimmerwiedersehen" gerufen. Dann war es zeitweise in Mode Tintenkiller zu Blasrohren umzubauen und damit zerkaute Papierkügelchen herumzuschießen. Ich war natürlich auch Zielscheibe und es war eklig. Aber schon damals bin ich meinen eigenen, innovativen Weg gegangen und habe mir eine Art gummibetriebene Pistole gebaut mit der ich dann mit der Zange gut festgedrückte Papiergeschosse zurückgeschossen habe. Im Nachhinein betrachtet war das wohl mehr Spiel als richtiges Mobbing.

Oder ein Fall von tragischer, aber ausgleichender Gerechtigkeit: besagter Junge aus Trier (es sind immer die schwierigen Kinder die mehrfach die Schule wechseln mussten) der mir die Schnürsenkel angezündet hat. Als wir am Ende der 10. Klasse eine private Fete ein paar Kilometer weiter weg gemacht haben fand er es toll, mit einem geliehenen Auto die anderen hin und her zu fahren. Mich natürlich nicht, bei so einem Blödsinn habe ich nicht mitgemacht denn er hatte natürlich mit 16 noch keinen Führerschein. Ich bin völlig uncool mit dem Fahrrad gefahren. Es kam dann so wie es kommen musste: Bei der nächsten Spritztour ist er in einer zumachenden Kurve geradeaus gefahren, in einen betonierten Einlassschacht und da es ja auch uncool war sich anzuschnallen hat er es nicht überlebt. Leider hat er einen anderen Jungen mit in den Tod gerissen, das war ein wirklich netter Kerl.

Joa, ich weiß was Mobbing in der Schule ist. Wenn man aber Rückhalt bei den Eltern hat und den richtigen Persönlichkeitstyp, dann muss man noch lange nicht an Selbstmord denken. Vielmehr dürfte ich dabei gelernt haben dass die Welt eben hart und unnachgiebig ist und man von Zeit zu Zeit einfach aufstehen und kämpfen muss. Und wenn ich es nicht von mir aus sowieso gemacht hätte: Geh deinen eigenen Weg und gib niemals auf.

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