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Ausgetrocknet

Personalityhacker.com hat in seinem Podcast über die beiden Intuition-Funktionen den Spruch: "If Exploration is thinking outside the box, then Perspectives is thinking about the box". Und es stimmt wirklich: Introverted Intution (Perspectives) als meine Primärfunktion denkt über die ganz großen Zusammenhänge nach. Das Problem ist nur dass praktisch niemand sonst so denkt und deshalb niemand diese Gedankengänge nachvollziehen kann. Die Ergebnisse mögen für mich einleuchtend sein und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen auch, aber alle anderen lehnen das erst einmal als Humbug ab - bis sich dann doch alles so entwickelt wie ich das vorausgesehen habe.

Ich denke ja schon lange über den Themenkomplex nach, aber ein Gespräch mit einem Luxemburger Kunden gab den entscheidenden Anstoß: auch in Luxemburg findet man niemanden mehr der die Arbeit richtig macht, speziell im Handwerk. Aber warum ist das so - wo sich die Bevölkerungszahl des Landes tagsüber quasi verdoppelt weil die Bedingungen für Arbeitskräfte so attraktiv sind? Von der Situation diesseits der Grenze wollen wir gar nicht reden, die Frasers Group die auf dem Bitburger Flugplatz jetzt ein Logistikzentrum neu baut hat sich wohl nicht vorher nach der Arbeitsmarktsituation erkundigt sondern nur stolz verkündet dass 1.200 Arbeitsplätze geschaffen werden - aber woher nehmen wenn es jetzt schon Vollbeschäftigung hat?

Das Problem ist wohl ein ganz, ganz fundamentales und der Arbeitsmarkt für das Handwerk ist nur eine der ersten Stellen wo es offensichtlich wird. Unser Wirtschafts- und Geldsystem basiert auf ständigem Wachstum - nur so funktionieren Zinsen überhaupt - man nimmt jetzt einen Kredit auf und nutzt das dadurch entstandene Wachstum um damit die Zinsen zu bedienen. Wachstum macht außerdem attraktiv, siehe das Beispiel von Luxemburg: durch günstige Arbeitsbedingungen kommen mehr Arbeitskräfte, dadurch wächst die Wirtschaft wodurch die Bedingungen wiederum besser werden. Ohne Wachstum funktioniert also nichts.

Das Problem ist nur: das System setzt sozusagen eine niemals versiegende Quelle voraus aus der das Wachstum generiert werden kann. In der Realität ist es aber ein Teich mit einem begrenzten Volumen und der ist irgendwann einfach ausgetrocknet. Je nachdem wo man das Wasser entnimmt merkt man es nur früher oder später.

Im Fall des Handwerks hat es auch viel mit Produktivität zu tun, und dabei geht es vor allem um die Hälfte bei der tatsächlich nutzbare (und benötigte!) Produkte beteiligt sind. Das heißt, es zählt nicht nur die Herstellung eines Sackes Mörtel, sondern diejenigen die diesen Palettenweise kaufen und einzeln an die Endkunden verkaufen kann man auch mitzählen. Hingegen ist der Teil der Wirtschaft bei dem es nicht um tatsächliche Produkte geht problematisch: das sind zum Beispiel die Verwaltungsmitarbeiter die die Genehmigung für den Händler erstellen oder die Rechtsanwälte die Gewinn aus den Streitigkeiten ziehen. Oder die Steuerberater. Kurz gesagt: eine Gesellschaft braucht einfach eine Menge von real existierenden Produkten um funktionieren zu können. Und Wirtschaftswachstum ist ja im Grundsatz die Menge und Wertigkeit dieser Produkte - stockt dieser Nachschub ist der Absturz nicht weit.

Bislang hat das erstaunlich gut funktioniert indem die Produktivität stetig durch Innovation gesteigert wurde. Das lässt sich gut vorstellen: zuerst haben die Menschen mit bloßen Händen Erde weggeschaft. Dann hat man Hacke und Schaufel erfunden und die Menge wuchs. Dann hat man Ochsenkarren eingesetzt um mehr Erde wegzuschaffen. Inzwischen kann ein Bediener in einem Schaufelradbagger in einer Minute mehr Material bewegen als ein ganzes Dorf in einer Woche. Der Nachteil der Sache liegt aber genau darin: immer mehr Innovation bedeutet eben auch dass die Methoden immer komplizierter werden und das setzt auch immer fähigeres Personal voraus - jedenfalls im Prinzip. Ein Automechaniker vor 50 Jahren musste bei weitem nicht so viel können wie einer heutzutage, das einzig elektrische war der Anlasser (beim Diesel) und den konnte man notfalls mit einem Schraubenzieher kurzschließen. Und vor allem: es handelt sich ja um ständiges Wachstum, damit werden die Anforderungen ja auch immer höher.

Das wäre ja alles kein Problem wenn man es mit einer nie versiegenden Quelle an Arbeitskräften aller Fähigkeitsstufen zu tun hätte - aber die gibt es eben nicht. IQ mag zwar für die Situation nicht das perfekte Beispiel sein weil Fähigkeiten sehr viel mehr umfassen als die reine logisch-mathematische Intelligenz, aber das zugrundeliegende Prinzip ist überall dasselbe: Der Mittelwert der Intelligenz aller Menschen liegt bei 100 und ist über lange Zeiträume praktisch konstant. Wenn nicht sogar leicht sinkend, darüber streiten sich die Forscher noch.

Die Begrenzung führt in zwei Richtungen: nicht nur ist die Gesamtzahl der Arbeitskräfte begrenzt, die Zahl der höher befähigten ist es noch dazu. Das erste würde aber nichts helfen - wenn man die Erde als gesamtes betrachtet bedeutet mehr Wohlstand für alle dass die Wirtschaftsleistung durch alle geteilt wird - wenn die Wirtschaft zwar wächst, dafür aber die Zahl der Menschen genauso ändert sich für den einzelnen nichts. Mehr Wohlstand pro Kopf geht nur mit höherer Produktivität des Einzelnen.

So ausformuliert wird es deutlich: das System trocknet sich ab einem gewissen Punkt schnell selbst aus. In der Vergangenheit war noch Potential vorhanden das man durch Bildung nutzbar machen konnte aber wenn die jetzt sichtbaren Phänomene tatsächlich eine Folge dieser Austrocknung sind geht es ab jetzt ganz schnell, weil die Reserven offensichtlich ausgeschöpft sind. Das Handwerk ist einfach die erste Reihe die es merkt. Und das Argument, man müsste doch nur höhere Löhne zahlen um die qualifizierten Arbeitskräfte (wieder zurück) zu bekommen greift nicht: damit steigen automatisch die Herstellungskosten für die real existierenden Produkte und damit sinkt die allgemeine Kaufkraft. Wie gesagt: es braucht unbedingt jemand der morgens die Brote backt, ohne geht es eben nicht. Wenn jemand doppelt so viel kostet, aber auch doppelt so viele Brote backt geht die Rechnung noch auf. In der Marktwirtschaft explodiert der Marktpreis aber bei einer Verknappung, so dass der doppelt so teure Arbeiter nur noch 1,5-mal so viele Brote backt und gleichzeitig der Marktpreis (die Löhne) für die weniger produktiveren Arbeitskräfte ins bodenlose sinkt und die sich dann noch weniger Brot leisten können. Und da hilft es dann auch nicht dass man von dem teureren Arbeiter noch soziale Transferleistungen einbehält um das zu kompensieren: ist das System erst einmal kaputt ist alles andere nur noch schlecht gemachte Tünche.

Der mantramäßig von der Politik verbreitete Satz, dass man die Zahl der Bezieher von Grundsicherung durch eine "Bildungsoffensive" verringern könne läuft einfach ins Leere: man kann es drehen und wenden wie man will, es ist eine feste statistische Größe dass knapp 10% der Bevölkerung einen IQ von unter 80 haben und selbst wenn man die in einen Intensivkurs steckt werden die wohl nie lernen wie man eine Paypal-Integration für einen Onlineshop programmiert. Und wenn sie vielleicht mit viel Fleiß alles auswändig gelernt haben ist diese Version der Schnittstelle schon wieder veraltet ...

In der Realwelt ist ja genau das passiert: nach dem PISA-Schock wurde in Deutschland die Prämisse ausgegeben dass die Quote der Arbiturienten und Hochschulabschlüsse steigen müsse. Das ist auch gelungen - indem man das Abitur einfacher gemacht hat. Dummerweise sind die Schüler aber jetzt nicht schlauer als vorher.

Die Politik hat nun alles noch viel schlimmer gemacht: die Zahl der Menschen in den Bereichen mit nicht real-existierenden Produkten ist stetig gewachsen. Sei es die Verwaltung oder die immer größere Zahl von Vorschriften und damit verbundener Bürokratie, bis hin zu den Rechtsanwälten die sich sich um die aktuellen Verfahren kümmern und beraten dass es nicht zu solchen kommt: all dieses Potential fehlt zusätzlich um die Dinge herzustellen und in Umlauf zu bringen die zwangsläufig benötigt werden.

Die Ökologischen Nebeneffekte kommen dann auch noch obenauf: es war relativ einfach, Kohle abzubauen und daraus Strom zu erzeugen. Man kann zwar denselben Strom auch so herstellen dass es uns die Erde nicht abkocht, dafür werden aber viel mehr Resourcen und mehr Hitech benötigt - und die sind ja ohnehin schon knapp.

Wenn ich also raten darf: wir haben es nicht mit einem gleichmäßigen Fluss zu tun der sich einer langsam verengenden Schlucht nähert - sondern einem exponential größer werdenden der eine genauso exponentiell enger werdene Schlucht vor sich hat. Genau wie die Gletscherschmelze: die Gletscher schmelzen ja nicht allmählich, sondern exponentiell - und wenn das nicht aufgehalten wird steigt der Meeresspiegel um 50 Meter oder mehr. Und wenn man betrachtet dass die größten Bevölkerungszentren an den Ozeanen liegen - prost Mahlzeit. Es reicht nicht einmal wenn man aus dem exponentiellen ein lineares Wachstum machen würde, man müsste es ja anhalten.

An den deutschen Autobahnen kann man das in Echtzeit verfolgen: Deutschland hatte kein Problem in den 60er und 70er Jahren die ganzen Autobahnbrücken zu bauen. Die Brücken gehen jetzt reihenweise kaputt und es sieht nicht so aus als könnte man die in dem gleichen Tempo neu bauen. Weil eben die Nettoproduktivität einfach geschrumpft ist. Und weil sich durch das Wachstum der Verkehr ja auch multipliziert hat müsste man ja eigentlich noch mehr und größere Brücken bauen ...

Und die einfachste Lösung - Arbeitskräfteeinwanderung - hat die Politik total verbockt. Weil sich die linken Ideen durchgesetzt haben und jede Menge Flüchtlinge gezielt nach Deutschland kommen "jeder Mensch hat das Recht auf unsere Hilfe", die gewünschten hochqualifizierten / intelligenten Menschen sich aber andere Länder suchen wo die Bedingungen inzwischen günstiger sind. Und das treibt den nicht-linken Teil der Bevölkerung in die Arme der AfD, die zwar griffige Slogans, aber genauso keinen Plan hat.

Wie sehr das Konzept der unversiegenden Quelle in den Köpfen der höchsten Politik verwurzelt ist sieht man bei den Diskussionen um den Strompreis: es gibt eine Strompreisbremse für Geringverdiener, dann einen Industriestrompreis (oder besser: einen Gewerbestrompreis) für die Wirtschaft - aber wer soll das Füllhorn denn füllen was da ständig ausgeschüttet wird? Das geht doch nur mit einem "du hast halt Pech-gehabt"-Strompreis für diejenigen die halt leider für keines der Wohltatsprogramme qualifiziert sind.

Das Schlimme sind die Ideologen sowohl von rechts als auch von links, denen Glaubenssätze so viel wichtiger sind als das was am Ende funktioniert. Liberalismus. Pragmatismus. Aufklärung. Das sind mächtige Probleme vor denen die Menschheit steht. Kann man sie lösen? Ich hätte da ein paar Ideen, aber die kann ich hier nicht schreiben weil das unverzeihliches Terrain ist. In der Realität wird nichts passieren oder viel zu wenig viel zu spät. Dafür sorgt die menschliche Natur, bei der die berühmt-berüchtigten Todsünden aktiv werden sobald der Mensch nicht mehr alleine ist (Egoismus macht alleine nicht allzu viel Sinn). Die waren ganz praktisch in Kombination mit dem Kapitalismus, und dabei auch höchst erfolgreich - solange man Wachstum generieren konnte um die Gier zu befriedigen. Es ist aber wie bei einem Luftballon - man kann ihn nicht unendlich aufblasen, selbst wenn es bisher den Anschein hatte weil das System eben unglaublich gut darin ist alle Resourcen zu heben die sich zu Geld machen lassen. Was es aber jetzt bräuchte, wäre (so ziemlich zum ersten Mal) Verzicht, und das kommt bei den Todsünden nicht vor. Wenn zehn Leute einen Klumpen Kohle vor sich liegen haben, wie will man erreichen dass alle ihn liegen lassen und niemand ihn zu Profit macht? Wenn die restlichen neun dem zehnten Prügel androhen? Derjenige braucht doch nicht viel zu machen um genügend auf seine Seite zu ziehen indem er einfach anbietet den Profit zu teilen. Es bräuchte also eine Koalition die groß genug ist um es notfalls zu erzwingen dass die Kohle liegenbleibt - mit allen notwendigen Mitteln. Aber angesichts der Struktur der Menschheit ist das eher unwahrscheinlich wenn das Problem für die Mehrzahl der Menschen gar nicht persönlich greifbar ist, es keinen Profit bringt und sie überhaupt erst gar kein Interesse daran haben die nötigen Informationen zusammenzutragen, geschweige denn ihren Kopf dafür hinzuhalten.

Das sieht man ja am Taiwan-Konflikt: der wäre quasi sofort aus der Welt zu schaffen - es müssten nur genug Nationen Taiwan anerkennen und Verteidungsbündnisse abzuschließen. Würden genug mitmachen, liefen chinesische Vergeltungsaktionen ja auch ins Leere weil China nicht einfach mit der Hälfte der Welt keine Geschäfte mehr machen kann. In der Praxis hat niemand (oder jedenfalls nicht genug) den Mumm dafür seinen Kopf hinzuhalten und der zehnte kann so fröhlich seinen Kohleklumpen verbrennen weil eben nichts passiert. Selbst wenn jemand vorpreschen würde und dafür von China boykottiert würde - wer würde sich denn freiwillig so einer Aktion anschließen, bei der der Erfolg fraglich in der Zukunft liegt, die negativen Folgen aber in sehr greifbarer Nähe liegen? Selbst wenn es also offensichtlich das Richtige wäre, die menschliche Natur sorgt einfach dafür dass das Falsche am Ende passiert, im Kleinen passiert das gerade in Berg-Karabach. Aserbaidschan hat Erdgas, Armenien leider nicht, die Russen haben gerade andere Probleme - und die Armenier haben halt Pech gehabt, Menschenrechte hin oder her. Die deutschen Linken helfen den Armeniern sofort wenn sie es bis Deutschland schaffen, für die wirkliche Not derjenigen vor Ort die es sich nicht mal leisten können nach Deutschland zu fliehen ist man blind. Was auch die Crux bei den Mittelmeer-Flüchtlingen ist. Wobei man sich wirklich fragen muss ob das ein so schlauer Schachzug im Niger war die französische Flagge herunterzureißen und russische Flaggen zu schwenken, da ist wohl offensichtlich jemand auf Verkäufertricks hereingefallen.

Man braucht nicht lange zu schauen, es gibt sowohl ideologisch rechte wie ideologisch linke Diktaturen. Nur nach einer Diktatur des Liberalismus und der Menschenrechte wird man lange suchen müssen. Und ich meine dabei nicht den berühmt-berüchtigten Wirtschaftsliberalismus der letzten Dekaden, sondern etwas im Sinn von Thomas Paine: "Wenn die Reichen die Armen ihrer Rechte berauben, so wird das ein Beispiel für die Armen, die Reichen ihres Reichtums zu berauben." Die vernünftige Mitte ist immer in der schlechteren Position weil sich Ideologien immer besser verkaufen lassen als eine Realität die funktioniert, aber eben nicht so schön auf den Plakaten aussieht.

Das Menetekel steht also klar an der Wand. Es wird nicht heute passieren und nicht morgen, aber wenn sich nicht etwas wirklich umwälzend ändert (und damit meine ich dass überhaupt mal jemand einen konsistenten Gesamtplan hat) ist es wohl unausweichlich. Die Frage ist nur wann. Und wie man das Ergebnis interpretiert. Man könnte es ja als "Sieg" auffassen wenn man am Ende der Nero ist der über dem brennenden Rom die Harfe spielt. Man lebt ja und hat eine Harfe, während sonst keiner mehr eine hat.

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