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Ärzte, Monopole und Minions

Es gibt einen guten Grund, warum man Monopole möglichst verhindern soll: Die Qualität der Leistung wird dadurch fast immer schlechter. Grundsätzlich ist das Gesundheitssystem in Deutschland ja ziemlich gut, aber im Detail nervt es dann doch. Ich kenne jetzt die genauen Regeln nicht, aber besonders Fachärzte haben ja eine Art Gebietsschutz weil die Kammern und/oder kassenärztlichen Vereinigungen nur eine entsprechende Anzahl Praxen in einem jeweiligen Gebiet genehmigen. Und das ist gleichbedeutend mit einem Monopol und damit - man kann es erraten: gibt es Zustände, die es in einem System mit Wettbewerb nicht gäbe. In meiner Branche - Einbauküchen - gibt es in meinem Einzugsbereich dutzende von Wettbewerbern gegen die man sich behaupten muss - und das geht nur in dem man besser ist als die anderen. Das kann entweder ein besserer Preis sein oder ein besserer Service oder eben etwas anderes mit dem man die Kunden davon überzeugen kann, gerade bei mir zu kaufen und nicht nebenan. Die Fachärzte haben das nicht nötig. Die Ärzte selbst sind zwar durchaus gute Mediziner, aber deren Hauptaufgabe besteht ja darin, die Patienten zu behandeln. Die eigentliche Praxisorganisation übernehmen ja die MTAs, durchweg Frauen und gelinde gesagt in gemischter Qualität.

Stethoscope

An dieser Stelle fiel mir der Begriff der "Minions" ein - und so falsch ist das nicht: Der Arzt kümmert sich um das Arztsein, die Minions wurschteln dann mehr oder weniger unbeaufsichtigt vor sich hin. In der Praxis wo ich zuletzt war kam man auf die glänzende Idee, den Klingelton des Telefons so umzustellen dass er leise und unaufdringlich ist - so kann man es besser klingeln lassen und ignorieren. Nur: das hilft ja nicht. Derjenige am anderen Ende der Leitung will ja was und wenn keiner rangeht, probiert er es in fünf Minuten nochmal. Das ist schon alleine so ein Punkt den ich mir nicht erlauben könnte: Einfach nicht ans Telefon zu gehen ist für den Kunden eine Zumutung, der erwartet zu Recht, dass man sich um sein Anliegen möglichst umgehend kümmert. Das gleiche gilt für die Organisation der Termine: Es gibt kaum Arztpraxen wo das funktioniert. Man bekommt einen Termin für acht Uhr morgens in zwei Monaten und muss dann trotzdem noch eine halbe bis eine Stunde warten. Das ist schlicht Unfähigkeit. Klar kann es mal Tage geben wo der ganze Zeitplan aus den Fugen gerät, aber das scheint mir eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Wenn ich da als INTJ ranmüsste, dann wäre da einiges zu optimieren. Mir schwebt zum Beispiel spontan ein System vor das die "Kunden" per SMS darüber auf dem Laufenden hält wann sie drankommen. Und wenn man das System nachher auswertet dann müsste sich ziemlich genau ergeben wie viele Patienten pro Stunde eingeplant werden können. Und ich hätte schon im Prinzip ein Problem damit meine "Kunden" so lange warten zu lassen wie das im Moment in vielen Facharztpraxen der Fall ist. Sicher, das ist auch die Ursache weil ich zum Arzt muss: Weil ich so viel gearbeitet habe um meine Kunden zufrieden zu machen habe ich praktisch kein Tageslicht mehr gesehen und das dürfte dann zu Vitamin D-Mangel geführt haben was sich auf das Skelett ausgewirkt hat. Die Frage die dahintersteckt ist aber die: Wenn der Arzt bei hoher Nachfrage mehr arbeitet, kommen dann insgesamt mehr Patienten oder würden sich dann in Zeiten geringerer Nachfrage Lücken auftun? So wie das im Moment gehandhabt wird ist die Auslastung immer 100% und nur die Länge der Wartezeit ändert sich.

Tja, mit einem Monopol kann man sich das halt erlauben. Noch krasser ist allerdings was meiner Mutter passiert ist: Sie musste den Ohrenarzt wechseln und kam dann in eine Praxis die bei ihr fast zu einem Nervenzusammenbruch geführt hat. Sie musste als Kind in den 50ern mehrere äußerst unangenehme Operationen bei HNO-Ärzten über sich ergehen lassen - und diese Praxis hatte noch die Originalausstattung von damals. Ja: Gerätschaften und Inneneinrichtung die fünfzig Jahre alt sind! Wenn der Doktor aufhört, kann man alles direkt in ein Museum verfrachten. Kein Wunder, dass dann die Kindheitstraumata wieder aufbrechen. So etwas kann man sich wirklich nur erlauben wenn es in der Gegend einfach keinen anderen Arzt in dieser Sparte gibt. Wäre mein Laden noch so eingerichtet wie vor 40 Jahren dann würde ich noch nicht mal einen Blumentopf verkaufen können. Hier sollte man sich wirklich mal überlegen wie man das System so reformiert dass sich durch ein wenig mehr Wettbewerb die Situation für die "Kunden" deutlich verbessern kann.

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